Foto: Bei den Proben zu „Hyperion“ © Harald Schröder
Theater-Tipp im März

Hyperion: ehrgeiziges Vorhaben des Theater Willy Praml

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Zur Sonne! Zur Freiheit! Das Theater Willy Praml zeigt Friedrich Hölderlins Briefroman „Hyperion“ in der Frankfurter Naxoshalle. Michael Webers Inszenierung löst die Briefe in gesprochenem Text auf.

Julian Mackenthun /

Am „Hyperion“ kann man nur scheitern. Friedrich Hölderlin selbst schrieb in der Vorrede zu seinem Roman, man werde diesen vermutlich missverstehen: Die einen würden das Buch zu gedanklich lesen, die anderen wiederum zu nachlässig – „und beede Theile verstehen es nicht“. Umso ehrgeiziger ist Michael Webers Vorhaben, den Roman auf die Theaterbühne zu bringen.

Aber zunächst zum Inhalt: „Hyperion“ handelt von einer Gespaltenheit, wie sie Hölderlin in seiner Vorrede thematisiert. Einerseits die Entfremdung und Zerrissenheit des Menschen in der (damaligen) Moderne – die sich seitdem sogar noch gesteigert hat. Gegen diese Entfremdung und Zerrissenheit stellt „Hyperion“ andererseits das antike Ideal eines ganzheitlichen Menschen: zugleich gebildet und fühlend, kritisch und liebend, auf sich selbst stehend und doch mit einem Blick aufs Ganze.

Diese Ganzheitlichkeit sucht nun der Titelheld. Er sucht in Deutschland und in Griechenland, im Krieg und im Frieden, in der Freundschaft und der Liebe. Am Ende wird er sie zwar nicht gefunden haben. Aber zumindest wird er jene Briefe geschrieben haben, aus denen der Roman zusammengesetzt ist.

Inszenierung in der Frankfurter Naxoshalle mit enormer Raumtiefe

Michael Webers Inszenierung beim Theater Willy Praml löst diese Briefe in gesprochenem Text auf. In einer Vierfachbesetzung verkörpern zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler gemeinsam Hyperion, schlüpfen stellenweise aber auch in die Rollen seines Freunds Alabanda oder seiner Geliebten Diotima. Dadurch ergibt sich eine spielerische Entsprechung der Zerrissenheit und gleichzeitigen Suche nach innerer Einheit.

Neben dem komplexen Text stellt, wie immer, auch die Naxoshalle mit ihrer enormen Raumtiefe besondere Anforderungen an eine Inszenierung. So spielt dieses Stück zwischen einer gefällten Säule mit Baumwurzeln im Vordergrund, einer zweiten, noch stehenden antiken Säule im Hintergrund sowie einem maroden Postbus in der Mitte. In diesem Setting entstehen Bilder mit dezenter, fast filmischer Schönheit: Wenn etwa drei der Hyperions mit ihrer geliebten Diotima in einem von innen beleuchteten Postbus sitzen, Diotima aus dem offenen Dach herausklettert, ein Stück näher zum Himmel, und doch nicht ganz herauskommt. Das Vorhaben war damit ehrgeizig. Aber gescheitert ist es nicht – im Gegenteil.

Info
Hölderlin. Hyperion. Zur Sonne! Zur Freiheit!, Schauspiel, Ffm: Theater Willy Praml, Naxoshalle, Waldschmidtstraße 19, 21./22./27./30.3., 19.30 Uhr

Julian Mackenthun
Julian Mackenthun
Julian Mackenthun, geboren 1993, studierte Englisch und Geschichte an der Goethe-Universität. Seit 2020 leitet er das Theater-Ressort des Journal Frankfurt.
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Foto: Bei den Proben zu „Hyperion“ © Harald Schröder

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